Ibiza Blue Challenge 2018

It‘s done – ich bin gesprungen und dazu gibt es eine Ibiza Geschichte.


1994 war ich zum 1. Mal auf Ibiza. Partyinsel wurde es für mich nie, denn wir verbrachten jedes Jahr 3 Wochen Mountainbike Trainingslager auf der Insel und lernten das echte Ibiza mit seinen Menschen kennen und lieben.

2005 dann das Asthma. Ärztlich gab man mich auf. Lungenfunktion unter 60%. Ich flog nach Ibiza. Freunde brachten mich zu einer Heilpraktikerin. 3 Behandlungen mit zum Teil heftigen Reaktionen. Ich stieg nach einer Woche ohne jegliches Medikament mit fast 100% Lungenfunktion in den Flieger. Konnte es kaum glauben und war total enttäuscht von der Schulmedizin. Die Heilpraktikerin ist weltweit bekannt. Viele fliegen auch nur deshalb zu Ihr. Daheim habe ich mich in Bremen weiterbehandeln lassen. Ich konnte wieder Rennen fahren und gewinnen.


Immer wollte ich mal den Triathlon machen....
2013 dann der Crash mit Schulter. Sie können damit nicht mehr schwimmen. Juanjo sagte: „Moni, viene a Ibiza. Vamos a nadar.“ Es sind diese besonderen Menschen, die Ibiza als Insel ausmachen. Niemand sagt Dir, Du kannst etwas nicht. Sie sagen einfach: mach es! Glaub an Dich!

Exakt ein Jahr vor dem Ibizatriathlon stehe ich mit meinem 2. ungewissen Schlüsselbeinbruch vor der Illa de des Rates/ Ibiza (Schwimmstrecke Ibizatriathlon). Ich musste wieder bei null anfangen.

 

2017 Ibizatriathlon - ich hätte in den Sack gehauen, aber Juanjo sagte:"Si tu corazon quire - hace!" Hab ich und war total befreit danach:

„Moni viene a Blue Challenge“! Blue Challenge war für mich völlig unerreichbar. Es ist ein limitiertes, besonderes und hartes Rennen in der spanischen Triathlonszene und gefürchtet. So ein Ding, wo ein Finish bereits die Krönung ist. Es starten nur top Athleten, die bei Ironmanveranstaltungen in Deutschland top Ten belegen würden und jetzt fragte mich der Veranstalter, ob ich es mache. Juanjo natürlich. Und das so selbstverständlich. Ich sagte ihm, ich weiß nicht, ob ich das schwimmen kann....zudem ist das noch nicht mein Triathlonniveau und er sagte: wenn ich von Denia nach Ibiza schwimmen konnte (88 km), dann schaffst Du 2,5 km und den Rest. 

Er hatte Recht...jetzt bin ich eine der Blue People, eine der wenigen, die dieses Ding gefinished haben und es war so knüppelhart aber ich bin allen so dankbar....und das Ibizaerlebnis in der Natur ist so ein Wahnsinn. Du glaubst, wenn Du vor dem Arco stehst, dass du alles schaffen kannst. Ich hatte den Abend vorher so die Hose voll und als auf dem Schiff die Sonne aufging und der Felsen auftauchte, war alles weg. Du bist nur so fasziniert von der Schönheit der Natur, dass du völlig vergisst, wie hart es gleich wird. Das ist einzigartig und genau das will Juanjo auch in seiner Blue Challenge vermitteln. Das ursprünglich schöne Ibiza. Das Wasser war so blau und klar....

Juanjo sagte: „Salta Moni!“ Und ich sprang. Damit eröffnete ich die Blue Challenge 2018. Riesen Moment....ich glaub, ich kann jetzt alles schwimmen.

Jeder braucht so einen Ort, um sich selbst zu finden. Kaum kommt man in Deutschland auf dem Flughafen an, ist alles anders....“du kannst dies nicht, das macht man nicht, alle machen das so“ und das Gesellschaftsspiel beginnt. Und dabei bleiben ganz viele Menschen auf der Strecke und verlieren den Glauben an sich selbst. Auf Ibiza sagt man, wenn Du etwas unbedingt machen willst, mach es! Genau deshalb haben viele Freigeister, Freibeuter, Künstler und Aussteiger hier ihr Zuhause gefunden. Ich auch.

 

"Blue People"

 

"Tierra Santa" wird Ibiza immer für mich sein - ein ganz besonderer Ort.

05.06.2018

 

"If you would not feel the pain, you would not feel the joy"

 

Am Samstag morgen startet mein zweites Ibiza Triathlonabenteuer. Wie Ihr in den letzten Monaten verfolgen konntet, war die Vorbereitung für mich nicht leicht.

Ich gehe in ein Abenteuer von dem ich heute nicht genau weiß wie es ausgehen wird. Ich bin noch nie mit meinem Schulterschaden 2,5 km im offenen Meer geschwommen. Ich bin noch nie damit eine Felsküste hochgeklettert und ich habe noch nie in dieser Konstellation Triathlon bestritten. Für einen gesunden Sportler ist das einfach nur Training neben dem Job, für mich ein echter täglicher Kampf mit immer wieder auftretenden Problemen, die Zeit kosten und mich immer wieder fordern zu improvisieren und neue Wege zu gehen, um das Trainingsziel überhaupt zu erreichen. Eigentlich ist der Trainingsweg für mich allein schon DIE Heraus-forderung.

 

Die Vorbereitung war ein einziger Spagat und ich gebe zu Anfang Mai kurz davor gewesen zu sein in den Sack zu hauen. Diverse Wettkämpfe fielen aus und mein erster richtiger wird dann gleich eine Art Mitteldistanz offroad. Aber dann habe ich mich an den Ibizatriathlon an meinem Geburtstag erinnert: zwei lädierte Schultern, ein kaputtes Knie und 5 Wochen lang davor null Training. Keinen Meter gelaufen, geschwommen oder Rad gefahren.

 

Klare Entscheidung: Jetzt erst recht! Im Vergleich dazu deutlich bessere Ausgangs-lage! Klar ist, es wird eine harte Nummer. Aber es wird auch wieder ein Abenteuer. Unvergessliche Momente sind das einzig Wertvolle, das wir besitzen können. Den 22.10.2017 werde ich nie vergessen. Ich hoffe der 09.06.2018 wird genauso ein Tag.

 

Ich freue mich auf die Ibiza Blue Challenge 2018. Drückt mir die Daumen, dass ich als einzige deutsche und internationale Teilnehmerin in diesem speziellen Wett-kampf mit limitiertem Starterfeld erfolgreich ins Ziel komme, denn darum geht es bei der „blauen Herausforderung“.

15.-22.05.2018    Swim & Run Camp Ibiza

Nicht einfach nur Training, sondern in diesem Jahr gezielte Vorbereitung auf die Blue Challenge. Es macht Sinn im Mittelmeer 3 Wochen vor dem Wettkampf intensiv Open Water zu schwimmen und sich noch einmal mit der Örtlichkeit von diesem außergewöhnlichen Wettkampf vertraut zu machen. 

 

Ich werde die erste deutsche und zugleich internationale Starterin in diesem knallharten Wettkampf sein. Die Wettkampfzeit wird durch die harten Offroadstrecken bei über 6 Stunden in brütender Hitze liegen. Alles was ich zuvor gemacht habe (IM Rügen 70.3) ist dagegen schon fast komfortabel. Deshalb limitiert sich das Starterfeld auf nur 25 Teilnehmer. Hier geht es nicht um top Zeiten. Hier geht es um die Herausforderung das Ding zu finishen und genau deshalb bekommt auch JEDER Finisher einen Zieleinlauf mit persönlich bedrucktem Siegerband und ein echtes „Siegerfoto“, wie man es sonst nur in Profiwettkämpfen sieht.

 

Wer kein Spanisch kann, Finger weg von der Anmeldung. Der Veranstalter nimmt keine Rücksicht auf andere Nationalitäten und spricht zudem nur Catalan. So verhält es sich auch mit dem Briefing vor dem Wettkampf und allen anderen organisatorischen Dingen. „Esto es Ibiza“ halt und genau das steht auch im Focus der Rennidee: Das ursprüngliche Ibiza in allen Facetten zu erleben. Statt Wechselboxen aus Plastik bekommt jeder Starter einen geflochtenen Korb und im Starterpaket findet man eine hausgemachte Sobrassada und eine Flasche Wein von der Bodega in Santa Ines. 

 

Ich habe unglaublich viel im Meer trainiert und fühle mich jetzt recht sicher die 2,5 km zu schwimmen.

Vorteil war der Seegang in dieser Woche, denn so konnte man sich gleich an übelste Schwimmbedingungen gewöhnen.

 

Einen Tag nutzte ich mir die Wechselzonen anzuschauen. Ich kenne die Örtlichkeiten zwar nach 20 Jahren Ibiza, aber hier liegen die Strecken offroad und man stellt sich schon die Frage wie schlecht die Wege wirklich sind. Und die härteste Wechselzone der Welt macht ihrem Namen alle Ehre…der Weg dorthin 3 km die Felsen hoch vom Meer:

Ohne Salomon Speedcross  - vergiss es! Das ist wirklich hart. In den letzten Jahren brauchten die Starter 30 Minuten. Wer das zu schnell hoch rennt, stirbt hinten raus.

 

Zur Radstrecke kann ich nur sagen 6,5 Runden mit immer wieder harten Anstiegen im Wechsel in zwei Talkesseln bei über 30 C Hitze. Sonnenschutz unbedingt berücksichtigen! Der Radsplit endet in einer 2. Wechselzone an der Kirche in San Mateo:

Heißt auch: 2 Paar Trailschuhe müssen vorher abgegeben werden. Dann müssen 13 km über den Sa Cova gelaufen werden und die haben es zum Schluss noch einmal richtig inne, denn es ist ein Ultratrailrun. Heißt Teilstücke von 20% Steigung auf härtestem Untergrund. Wer vorher muskulär überzockt, stirbt hier oder bekommt Krämpfe. Man läuft quasi querfeldein von San Mateo zurück nach Santa Ines.

 

Zu meiner Ausgangslage:

Der Wettkampf ist das Härteste was ich im Triathlon bisher gemacht habe. Mit meinem Schulterhandicap schwimme ich zum ersten Mal 2,5 km im Meer! Im Anschluß an dieses grenzwertige Schwimmen muss ich mich mit den Armen an Seilen einzelne Küstenabschnitte hochkämpfen. Das kann ich nicht wirklich trainieren. Das muss ich einfach versuchen. Das Radfahren und Laufen wird ähnlich anspruchsvoll.

 

Ich habe den ganzen Winter durch die Grippewelle mehrfach an Infekten gelitten und trotzdem die Leistung auf Niveau gehalten. Überraschende Ergebnisse wie der Hannover Halbmarathon  zeugen daher. Nach der kürzlich 4. Atemwegsinfektion stellte sich schon die Frage, was eigentlich los sei. Seit einigen Wochen war die Nase nachts häufig zu und ich hatte leichte Halsschmerzen. Man schiebt das auf allergische Probleme, aber ich war auch ständig müde, schlapp und habe natürlich mies geschlafen. Das Training war wenig effektiv. Aber ich hatte immer lange pausiert zwischen den Infekten, weil ich nichts riskieren wollte. Allerdings nahm ich auch nie ein Antibiotikum.

 

Kurz vor Ibiza kam der 4. Infekt mit brutalen Halsschmerzen. Ich dachte: Mandel-entzündung. Mein Hausarzt meinte, nö das haben jetzt alle so schlimm. Hilft nur Ibuprofen gegen die Halsschmerzen und ein Antibiotikum. Letzteres war für die Katz, wie sich später herausstellte.

 

Auf Ibiza war der Infekt weg, aber nicht diese Halsschmerzen, die schon zu Mittelohrschmerzen eskalierten. Ibuprofen half zwar immer wieder, aber das war nicht normal. Noch nie hatte ich Stress mit meinen Mandeln! Gelaufen bin ich nicht viel, schwimmen ging gut.

 

Daheim bin ich sofort zum HNO Arzt und das Übel nahm ein Ende. Ich hatte mir irgendwo im Winter einen Virus in der linken Seitenstranghälfte der Mandeln eingefangen und bin ihn nicht richtig los geworden. Mein HNO-Arzt sagt, ich habe eigentlich alles richtig gemacht. Bin auch jetzt frühzeitig vorstellig geworden und diese Art der Infektverschleppung merkt niemand. Das passiert, das haben gerade ganz viele Infektgeplagte der Saison.

 

Ich bin heilfroh den Übeltäter zu haben. Mir ging es sofort nach Einnahme des korrekten Antibiotikums deutlich besser. Ich kann wieder schlafen, bin nicht mehr müde und platt. Zwar kann ich jetzt nur Grundlage trainieren bis zum Ende des Antibiotikums und muss den Triathlon Bokeloh absagen, aber ENDLICH hat diese Infektserie ein Ende. Mir ist es jetzt wichtig gesund die Blue Challenge anzutreten. Finishen kann ich sie in jedem Fall mit der Grundlage, die ich habe. Und im Vergleich zum Ibizatriathlon werde ich keine Knieschmerzen haben und auch keine 5 Wochen Trainingstotalausfall. Meinen Focus lege ich jetzt auf die 2. Jahreshälfte im Triathlon. Und einmal mehr wurde meine Ausdauer und Nervenstärke auf die Probe gestellt....

...aber:

 

„When obstacles arise, you change your direction to reach your goal; you do not change your decision to get there!“ (Zig Zigler). 

 

See you at Ibiza Blue Challenge - 10.06.2018!

Unter #missionibiza703 erfüllte ich mir im letzten Jahr den Traum vom Ibizatriathlon. Einmal nach schwerer Krankheit diesen Triathlon zu finishen, war ein lang gehegter Wunsch von mir. Noch während der Vorbereitungen zum Ibizatriathlon geisterte in meinem Kopf ein Folgeziel umher: Die Ibiza Blue Challenge. Ein außergewöhnlicher Wettkampf, der mit allen bis dahin existierenden und gelebten Triathlonkonzepten bricht und die Liebe zur Insel und zur Schönheit ihrer Natur lebt. Hart, schwer und auch für mich eine noch krassere Herausforderung. Mit der wirklich härtesten und längsten Wechselzone der Welt im wilden Norden der Insel:

Ich war noch nicht beim Ibizatriathlon gestartet, als mich Juanjo (CEO der Blue Challenge) im Mai `17 kontaktierte kurzfristig zu starten. Freistart, ein echter Traum, aber leider fehlte die Vorbereitung und Urlaub. Er registrierte mich sofort als einzige int. Gaststarterin 2018. Und so begann meine Vorbereitung gleich direkt nach dem Ibizatriathlon. Hier steht das Erleben und Ankommen ganz klar im Vordergrund. Lediglich 25 Starter stellen sich dieser limitierten Herausforderung.

 

2,5 km Open Water Schwimmen vor der wilden, unzugänglichen Steilküste im Norden Ibiza`s. Am 10.06.18 um 5 Uhr morgens fährt uns ein Boot hinaus zu Ses Balandres. Der Start erfolgt Open Water unter der Felsenbrücke der Margaliden:

Nach 2,5 km landen wir an, müssen die 200m hohe, wilde Steilküste erklettern (mein Schulter-/Armproblem als echte Herausforderung!), um nach 3 km die Wechselzone in Santa Ines zu erreichen. Wer hier zu hart beginnt, wird später sterben…

90 km Rad auf Asphalt - ein Parcours, der mit 6,5 Runden, 1500 hm und Anstiegen von bis zu 22 % „rompe piernas“ verursacht oder wie die Spanier auch gern sagen: "die Beine zerstört".

Zum Abschluss verbleiben 13 km Ultratrailrun mit bis zu 30% Anstieg über die höchste Gebirgskette zurück ins Ziel. Wer schon einmal den ITM auf Ibiza gelaufen ist, weiß wie hart diese 13 km sein können. Ich hatte einen kleinen Einblick im Oktober 2017.

 

Die Laufstrecke ist etwas kürzer als bei einer normalen Mitteldistanz, aber auch deutlich härter in der ohnehin heftigen Mittagshitze. Die Schnellsten schaffen sie in 1,5 h. Hinzu kommen außerdem 3 km Wechselzonenextrem und 600m längeres Schwimmen. Die schnellsten Frauen haben es bisher nicht unter 6 Stunden geschafft und das waren spanische Top-Athletinnen.

 

Die Challenge zu finishen ist so außergewöhnlich und extrem, dass jeder Starter im Ziel mit eigener Siegerbanderole vom Veranstalter persönlich empfangen wird und ich hoffe am 10.06.18 auch so im Ziel anzukommen und mein "Moonreker" Band hochhalten zu können, wie 2016 Vincenta:

In die Vorbereitung habe ich viel investiert. Die Strecken kenne ich nach 20 Jahren Mountainbiken auf der Insel wie meine Westentasche und einen Einblick in die schwere Laufstrecke habe ich im Oktober beim ITM bekommen. Vom 15.- 22.05.18 bin ich im Swim & Run Trainingslager auf der Insel, um dann nur 2 Wochen später zum Wettkampf zurückzukehren.

 

Das Triathlonrad ist nicht von Vorteil, weshalb ich mein Rennrad mit einem Auflieger versehen habe und die Salomon Crosslaufschuhe habe ich im Winter bereits gut eingelaufen und getestet. Ich hoffe der Trainingsstand wird trotz der Grippeausfälle im Winter reichen und schließlich geht es mir ums Erleben und Überleben ;-)

 

Mission 70.3 - Ibiza 2017

IBIZA - meine Lieblingsinsel, auf der ich mit dem Radsport begann und auf der ich zweimal wieder „gesund“ geworden bin - also zurück in meinen Sport gefunden habe. Man nennt die Insel auch „Tierra Santa“ - heilige Erde und die Karthager ließen sich auch deshalb dort beerdigen. Zweimal saß ich dort am Strand und dachte, ich würde so etwas nie mehr schaffen - jetzt versuch ich es. Außerdem liegt der Termin im Oktober - perfekt für die Vorbereitung und genau an meinen Geburtstag. Für mich hat es eine ganz besondere Bedeutung - es geht um das ganz große ANKOMMEN.  Trailer Ibiza Triathlon

Auf dieser ganz besonderen Seite (#missionibiza703) könnt Ihr meinen Weg bis zum Start Ibizatriathlon  22. Oktober 2017 und meinem ersten echten 70.3 mit allen Höhen und Tiefen mitverfolgen. 

22.10.17  The Race

16.-30.10.17 Das Abenteuer Ibizatriathlon beginnt

Eigentlich wollte ich mir einen Traum erfüllen. Wollte diesen Triathlon nach all den Jahren einmal finishen. Neben den organisatorischen Umständen kam mir oft Krankheit dazwischen. Ich sollte mit meinem Knocheninfekt keine 500m mehr schwimmen können. Das letzte Jahr vor diesem Rennen stellte mich noch einmal auf die ganz harte Probe. Ich brach mir 12 Monate vor dem Start noch einmal das selbe Schlüsselbein und musste wieder bei Null anfangen. Dann bekam ich arge Probleme mit dem Lauftraining. Im Frühjahr wieder Trainingsausfall. Das Defizit schleppte ich durch die ganze Saison. Der Ironman Rügen lief dann erstmals erwartungsgemäß, aber eine Woche danach stürzte ich im Rennen auf Knie und Schulter.

 

Mit beiden Läsionen reiste ich jetzt nach Ibiza. Völlig ungewiss, ob ich überhaupt starten könnte. Ich überlegte, ob ich wirklich mein Triathlonrad einpacken sollte. Zu diesem Zeitpunkt ging ich schon davon aus nicht starten zu können. Und doch sagte ich mir: "Wenn Du es nicht einpackst und es doch geht, dann wirst Du es immer bereuen." Also packte ich es kurz entschlossen ein.

Mein Orthopäde hatte mir gesagt, es sei nichts kaputt im Knie, nur eine schwere Knochenprellung. Seit 5 Wochen !!! lief ich auf seinen Rat keinen Meter mehr und fuhr auch keinen km Rad. Ich war komplett raus aus dem Training. 7 Tage vor dem Rennen versuchte ich es mit Ibuprofen. Entweder bringt mich das noch an die Startlinie oder der Traum stirbt. Mein Physio riet mir ab, aber irgendetwas in mir sagte, versuch es!

 

18.10.17 Schwimmen

Drei Tage Aufenthalt auf der Insel und bisher nur Schwimmtraining. Selbst das ist nicht 100% möglich. Meine rechte Schulter schmerzt durch den Unfall mehr als meine Linke. Das Blöde: Ich gleiche die fehlende Kraft und mangelnde Schwimmleistung mit der gesunden rechten Schulter stets aus. Also Schwimmen auch mit deutlichem Leistungsverlust!

19.10.17 Laufen

Das Knie wird besser, ist aber nicht beschwerdefrei. Keine Ahnung, ob ich damit im Wettkampf laufen kann. Ich versuche mit Kinesiotape erstmals 3km zu laufen. Das Knie schmerzt, das Tempo katastrophal - es folgt ein heftiger Muskelkater. In 3 Tagen 20 km laufen? Wahnsinn! Zweifel - der mentale Druck enorm!

 

20.10.17 Radfahren

Überrascht! Auch bei starken Anstiegen und hoher Wattzahl keine Knie-beschwerden. Wenigstens ein Teil des Triathlons, der keine Probleme macht, bis an einem Anstieg plötzlich mein Hinterrad blockiert und ich stürze. Zum Glück nicht auf mein Knie oder die Schulter, denn das hätte das totale AUS bedeutet. Aber was war passiert? Ein Blick auf mein Hinterrad sagte alles:

Beim Schalten am Berg war mir das Schaltauge gebrochen, das komplette Schaltwerk schleuderte mit der Radumdrehung herum und schlug auf dem Rahmen ein. Ein Haarriss, vermutlich durch den Sturz in Minden. Grundsätzlich kein großer Schaden, wäre der Rahmen nicht beschädigt. Im Grunde hatte ich an diesem Tag einen Schutzengel, denn wäre mir das in einer schnellen Abfahrt im Rennen passiert, hätte mein Hinterrad sofort blockiert, wäre zerrissen und ich übel gestürzt. Trotzdem Worst Case, denn ein Schaltauge für dieses spezielle Rad ist nicht auf der Insel erhältlich. Auch der GIANT Händler in Santa Eularia konnte nicht helfen. Was tun?

 

Ich war kurz davor alles hinzuschmeißen. Nichts schien reibungslos zu laufen. mental Nullpunkt:

 

1. beide Schultern lädiert: Schwimmleistung gegessen

2. Triathlonrad mit Aerodynamik defekt 

3. Totaler Trainingsausfall

3  Knieverletzung - wie weit würde ich kommen?

4. Drei Tage vor Abreise die Nachricht, mein Papa schwer krank

 

Hinzu kommen 5 Wochen ständiger Stress werde ich starten können oder nicht? Ungewissheit bis zur letzten Minute macht echt mürbe! Ich wollte einfach nur noch, dass es vorbei ist. Von Urlaub konnte gerade nicht die Rede sein!

 

Aber Ich habe nicht 3 Jahre gekämpft, um jetzt aufzugeben. Ich habe die Reise nach Ibiza angetreten und habe nur in diesem Jahr exakt am Tag des Triathlons Geburtstag. Ich kann zwar wiederkommen und das Rennen unter besseren Bedingungen bestreiten, aber es wird nicht mein Geburtstag sein.

 

Also miete ich ein Orbea Rennrad von der Stange. Wahnsinn mit dem Ding in dem hochkarätigen Starterfeld der spanischen top Elite zu starten. Der Triathlon war auf der Langdistanz spanische Meisterschaft und auf der Mitteldistanz Abschlussrennen des "Copa de Espana" und ich starte wie ein Frisör. Mein Rad wog mind. 2 kg mehr als mein LiV und hatte null Aerodynamik. Aus der Traum einer halbwegs passablen Zeit - jetzt konnte es nur noch ums Ankommen gehen.

21.10.17

Check-in: In Spanien ist alles anders. Nur in einem 2 stündigen Zeitfenster am Nachmittag konnte man seine Startunterlagen abholen und dabei traf ich auch gleich Juanjo vom Orga-team des Triathlons. Sehr herzliche Begrüßung. Ich war die einzige deutsche Starterin. Auch bei der Startbeutelausgabe wurde ich gleich persönlich begrüßt. Organisiert war alles top und als wenn der Veranstalter extra an mich gedacht hätte: Alles PINK! Vom Teppich bis zum Torbogen der Finishline, vom Plakat bis zur Finishermedaille und dem -shirt. Einfach auf den Tag genau alles perfekt.

Plötzlich war ich so nervös wie noch vor keinem Rennen und als ich am Abend in die Wechselzone eincheckte, war ich froh, dass die Vorbereitungen JETZT endlich erledigt waren. Ich konnte jetzt nichts mehr tun, außer morgen früh zu starten. Allerdings habe ich in der Nacht wenig geschlafen.

22.10.17 Raceday

05:30 Uhr der Wecker klingelt - ich habe Geburtstag und das Erste was ich tue, ist Heulen. Ich heule, weil ich heute so um diesen Tag gekämpft habe, mir das völlig anders vorgestellt hatte und die nackte Angst das Ding mit so vielen Nachteilen und Unwägbarkeiten machen zu müssen, unbeschreiblich ist. Keine Sau macht eine Mitteldistanz mit 5 Wochen Trainingsausfall unter solchen Bedingungen - nur ich, ich tue es - völliger Irrsinn!

 

Ich stopfe eine Tasse Porridge lustlos in mich hinein und heule still vor mich hin. Ich hab die Hose bis oben hin voll und doch sagt eine innere Stimme: „Mach es und hör auf zu denken.“ Ralf bringt mich im Dunkeln zum Schwimmstart. Wäre er nicht dabei gewesen, ich glaube ich hätte aufgegeben.

 

Die Startaufstellung erfolgt sehr früh und so muss ich mich in 5 Minuten blitz schnell noch in meinen Neo quetschen und die Startzone betreten. Eine Verabschiedung von Ralf fällt aus. Alles geht jetzt ganz schnell. Letzte Startgruppe Frauen. Schlecht! Anders als beim Ironman Rügen kein Rolling Start - heißt auch, kein Wasserschatten. Aber zumindest erlaubt die spanische Triathlonunion bei 22 C noch Neopren. Wenig später stehe ich an der Startlinie und blicke auf die kleine Felseninsel "Illa de ses Rates“, vor der ich im letzten Jahr mit Schlüsselbeinbruch stand. Jetzt stehe ich kurz vor meinem großen Abenteuer und der Himmel zeigt ein kleines Herz:

Mein Herz wollte, dass ich genau das hier mache, also Augen zu und durch. Der Startschuss fällt und ich schwimme los. Nach 100m beschlägt meine Brille. Erster Stopp. Ich spüle sie aus, will weiter schwimmen, da löst sich das Gummi der Brille, es folgt Wassereinbruch. SUPER!!! Was kommt noch? Welche scheiß Prüfung muss ich noch absolvieren auf dem Weg zur Finishline? Ich bin gerade Letzte der Startgruppe, schwimme weit hinter dem Feld her und kann keinen Rhythmus finden. Habe das Gefühl im Neo keine Luft zu bekommen. Immer wieder muss ich auf Brustschwimmen wechseln. Das Kanu direkt neben mir will mich rausziehen. Ich bin kurz vor der Panik.

Ein letztes Mal versuche ich Rhythmus zu finden: "Denk nicht, schwimm einfach - dein Tempo. Egal was die anderen machen." Irgendwie bekomme ich es auf Höhe der Insel hin. Der Seegang und die Strömung von „Es Freus“ sind nicht ohne. Ich habe das Gefühl auf der Stelle zu schwimmen. Rügen war um Längen leichter!

 

Ich schwimme auf und kann Wasserschatten finden. Eigentlich dachte ich zurück wäre wie mit Rückenwind schwimmen. Fehlanzeige - komische Strömungs-verhältnisse - ich stehe wie ein Eimer. Das Ziel kommt überhaupt nicht näher. Mein Wasserschatten ist weg, ich finde einen Neuen aus der Startgruppe der Männer vor uns. Allerdings schwimmt er völlig in die falsche Richtung. Später auf meinem Garmin sehe ich, dass ich 200m völlig für die Katz geschwommen bin. Das härteste Schwimmen meiner bisherigen Triathlonkarriere. Aber wie ich später erfahre, ging es den anderen genauso. Teilnehmer auf der Langdistanz zögerten gar in die 2. Runde zu gehen. Trotzdem 43 Minuten für 2 km waren wirklich schlecht!

Rad:

Endlich auf dem Rad. Die Radstrecke durch die Berge kenne ich nach 20 Jahren Radsport auf der Insel sehr gut. Jetzt gilt es nicht zu schnell zu fahren, denn nach 15 km kommen die Berge. Mir ist klar, dass ich langsamer fahren muss als auf Rügen. Nicht weil die Ausdauer nicht reicht, sondern weil ich sonst muskulär den Lauf nicht mehr schaffe. In den Abfahrten Unterlenker und so klein wie möglich machen. Das Radfahren macht jetzt sogar Spass. Meine Moral steigt und ich geniesse zum ersten Mal die Landschaft. Die Berge komme ich sehr gut hoch - vielleicht ist hier das Rennrad sogar von Vorteil, wäre es nur nicht so schwer. Ich verpflege mich gut. Hier sei angemerkt, dass Selbstverpflegung angesagt ist. Der Veranstalter reicht nur Wasser und Bananen. Normal esse ich nicht viel im Rennen, aber mein Fettstoffwechsel war 5 Wochen nicht im Training und so gehe ich auf Nummer sicher. Einen Hungerast oder Elektrolytmangel erleide ich nicht, also alles richtig gemacht.

 

Der Wind ist an diesem Tag nicht mein Freund. Es zieht in den Bergen schlechtes Wetter auf, später soll es beim Laufen stark regnen. 3:16h benötige ich für die 85 km. 600hm mehr als auf Rügen. Mit meinem LiV wäre ich etwas schneller gefahren. Trotzdem noch passabel und muskulär nicht am Limit.

 

Lauf:

"Laufe langsam los. Finde Rhythmus. Achte auf das Knie." Ich lief konzentriert los. Auf der "Plaza Vara del Rey" sah ich auf den Garmin. "Wenn ich das durchlaufe, könnte ich die ersten 10 km in einer Stunde schaffen und die zweiten 10 auch. Würde heißen, ich komme auf die gleiche Halbmarathonzeit wie in Rügen." Während ich mich quäle, bolzten die Spanier unfassbares Tempo.

 

Plötzlich am Hafen macht sich ein Streckenposten bemerkbar. Ich drehe mich um und sehe Juanjo auf dem Roller mit meiner Startnummer. Die hatte ich verloren. Schwein muss man haben und gute Freunde - Danke! Im Rundendurchlauf treffe ich Ralf mit der Kamera:

Er fragt, wie es läuft. Ich antworte: "Jetzt wird es hart - die Beine!“ Die zweite Runde in brütender Hitze. Das Knie meldet sich trotz Tape. Die ersten spanischen Starter gehen. Meine Pausen an der Verpflegung werden länger. Am Hafen bin ich völlig durch. Die Hitze macht mich zusätzlich fertig. Ich habe noch ein Hydrogel Cola von Power Bar dabei und ziehe es mir rein. Die „Lampe“ geht wieder etwas an, aber die Beine werden schwerer. Jetzt kommt der Trainingsausfall zur Abrechnung - war klar. Ich blicke nach oben und frage die Inselgöttin Tanit, ob sie mir nicht einmal helfen könnte und sie tat es! 5 Minuten später Regen - ein totaler Wolkenbruch - DANKE! Was für eine Abkühlung! Ich zähle die Kilometer runter. 3-2-1 und noch einmal über die Burg - Weltkulturerbe - was für eine geile Kulisse für einen Triathlon! Allerdings ist das Kopfsteinpflaster vom Regen rutschig wie Seife und meine Beine sind zu. Bergauf gehe ich, wie fast alle Starter, aber bergab auch. Auf diesem letzten Kilometer verliere ich krass Zeit. Egal - ich bin ganz von Deutschland hierher gereist und habe bis zur letzten Minute gekämpft - dieser letzte verfluchte Kilometer ist jetzt auch noch zu schaffen!

 

Nach 6:24h bin ich im Ziel - völlig fertig - meine Füße passen nicht mehr in die Schuhe - mein Gang völlig eckig - aber ich war noch nie so GLÜCKLICH !!! Nichts konnte mich aufhalten, alles habe ich gegeben, um unter diesen fiesen Bedingungen mir dieses einzigartige Geburtstagsgeschenk zu machen. Das war kein Finish, das war ein echter Sieg. Ein Sieg über mein Schicksal. Ein Ende meiner langen Reise.

Der ganze Druck fiel in wenigen Sekunden von mir ab. Ein einzigartiges Befreiungs-gefühl. Unbeschreiblich!

 

Leider konnte ich mein Geburtstagsessen im Casa Colonial am Abend nicht genießen, weil ich leichte Kreislaufprobleme hatte. Kein Wunder bei der Hitze und Belastung, aber wir haben es 3 Tage später nachgeholt. Der Muskelkater, der die Tage darauf folgte, war der Schlimmste, den ich je hatte - völlig egal. Ich war froh entgegen jedem Zweifel gestartet zu sein. Hört auf Eure innere Stimme und nicht auf das, was andere Euch sagen. Meistens hat sie Recht. Bei mir einmal mehr.

 

Den Ultratraillauf eine Woche später habe ich aus Vernunft sausen lassen. Ich möchte gesund in die Saison 2018 gehen, denn ich habe viel vor. Außerdem konnte ich Ralf supporten, der eine tolle Zeit gelaufen ist. Den ITM kann ich nachholen, Geburtstag habe ich nur einmal am Triathlontag.

 

Ibiza, wir sehen uns in 6 Monaten wieder zur Blue Challenge. Dann hoffentlich unter besseren Voraussetzungen.

 

Ich möchte mich bei allen bedanken, die meinen Traum begleitet und unterstützt haben:

 

Meinen Trainer Sebastian Rosenkranz von der Bewegungsschmiede Hamburg. Ja, Basti - "Murphy" habe ich hinter der "Illa de ses Rates" im Meer versenkt! Ich hoffe er kann nicht schwimmen ;-)!

 

KiWAMi Deutschland für die Ausstattung mit Triathlon- und Schwimmbekleidung. Top Qualität, sitzt perfekt, trocknet schnell, sieht toll aus und passt auch perfekt zum pinken Ibizatriathlon.

 

NATURA Kosmetik Leipzig. Danke Schalli, deine Beinlotion hat gute Dienste bei meinem Muskelkater geleistet! Perfekt zur Regeneration! Eine ganze Flasche ging dabei drauf!

 

Zweirad Stadler Bremen für den top Bikeservice meiner ganzen Vorbereitungs-saison.

 

Maren und Aurelia, die mir immer Mut zugesprochen haben. Aurelias Ibu-Tipp hat dann auch wirklich geholfen. Danke Mädels - "Fiete" hatte auch einen tollen Urlaub und ich freue mich auf meine Geburtstagsnachfeier mit Euch!

 

Danke an das Casa Colonial für das tolle Geburtstagsessen! Der Nachtisch war genial und ich weiß nicht mehr wie viele Hiebas ich getrunken habe ;-)!

 

Ganz besonders Ralf, der das alles ertragen und unterstützt hat, obwohl er selbst nicht starten konnte. Die Fotos sind super geworden!

 

Und DANKE an alle, die dieses Abenteuer verfolgt haben und mir gratuliert haben. Das hat mich ungemein unterstützt nicht in den Sack zu hauen.

 

Gewinnen hat nicht nur etwas damit zu tun immer der Schnellste zu sein. Gewinnen ist für jeden ein individuelles Ziel. Aus diesem Grund bin ich zum Triathlon gewechselt. Genau das beinhaltet dieser einzigartige Sport - die ständige eigene Herausforderung gegen die Elemente. Ein perfektes Rennen ist selten, Du musst Dich ständig anpassen und verändern, Du weißt nie, was Dich erwartet und oft entscheidet allein der Kopf. Das ist wie im echten Leben. Kaum eine Sportart lässt dich persönlich so stark wachsen. Never give up - Hagakure!

 

10.06.2018 BLUE CHALLENGE IBIZA

Update #missionibiza703

14.09.2017

Stress in der letzten Woche vor dem Abflug: Spedition zum Rücktransport unserer Räder bestellen, Germania den Transport absagen, Radkoffer und Reiseluftpumpe besorgen und dann wurde auch noch unser Rückflug übel verlegt. Die Rückreise gestaltet sich jetzt aus 8 Stunden Aufenthalt am Airport Palma bis zum Anschlussflug. Eigentlich hatten wir das schon erwartet. Gebucht im Januar und dann doch wieder der alte Winterflugplan Palma-Ibiza. Echt zum Kotzen, die Erreichbarkeit der Insel aus Norddeutschland im Winter. Ich kann die Stunden auf Palma nicht mehr zählen, die ich dort schon verbracht habe. Nur gut, dass wir die Räder jetzt per Spedition zurücksenden. Dann sitzen wir nicht 8 Stunden auf dem Sperrgepäck am Flughafen. Trotzdem ist "my little Kona" gerade in der Neben-saison immer eine Reise wert.

Neben Job und dem ganzen Organisationstheater musste ich mich auch noch um mein Knie kümmern. Am Dienstag war ich nochmal beim Orthopäden. Nichts kaputt, aber Kniescheibentrauma vom Schlag. Um noch eine Startchance beim Triathlon zu haben, kein Rad- und Lauftraining. Das könnte eher dazu führen, dass wieder alles anschwillt. Es kann in 7 Tagen komplett abgeklungen sein oder noch bis zu 3 Wochen andauern. Eine Chance besteht in jedem Fall.

 

Ich habe das Knie weiterhin gekühlt, mit Pferdesalbe und Voltaren behandelt und mich selbst getaped. Eigentlich klingt es täglich weiter ab. Keine Schmerzen im Knie, Knie voll beweglich, nur leichter Druckschmerz auf der Scheibe. Das Problem ist, dass das traumatisierte Gewebe bei Bewegung der Kniescheibe wieder gereizt werden kann. Deshalb kein Training möglich.

Ich war auch beim Physio. Der hat mir einige Sturzverklemmungen herausgezogen, gibt mir die gleiche Empfehlung wie mein Arzt. Zwar passt mein Knie jetzt auch endlich in die schicke Bandage, aber ich bekam Wadenkrämpfe vom Spiel der Knie-scheibe. Ich kann nur hoffen, dass sich das noch gibt.

 

"Die Hoffnung stirbt wie immer zuletzt"! Ich kann den Ibizatriathlon jetzt nur noch mit einem Trainingausfall von 4 Wochen bestreiten. Ambitioniert kann ich das Ding nicht mehr über die Bühne bringen, nur noch auf ein Finish pokern. O.K. - darüber wäre ich jetzt auch mehr als froh, aber keiner weiß, ob mein Knie noch bis zum 22.10. wieder ins Lot kommt oder ich wegen den Wadenkrämpfen nicht starten kann. Ich lasse nichts unversucht, das Ding zu bestreiten, wenn es nur irgendwie geht.

 

Klar hatte ich mir das alles anders vorgestellt. Da plant man ein ganzes Jahr so eine Reise und dann streikt das Knie durch einen saublöden Sturz….mehr als ärgerlich.

 

Da es mir aber von Anfang an in erster Linie, um ein "persönliches Finish" ging, ist mir die Leistung nicht wirklich wichtig. Schön wäre nur eine Teilnahme mit Finishermedaille als Geburtstagsgeschenk. Danach wäre sowieso "Off-Season" gewesen. Über den Verlauf meiner Triathlonsaison 2017 kann ich mich generell nur freuen und den Ironman 70.3 habe ich bereits im Sack. Beweisen muss ich mir also nichts mehr und 2018 geht es definitiv mit Triathlon weiter. Mitteldistanz gefällt mir sehr gut - ist eigentlich die schönste Distanz in diesem Sport.

 

Drückt mir fest die Daumen, dass alles klappt. Das hier ist mein letzter Webside-bericht vor dem Start. Wer alles "live" verfolgen möchte, kann es auf dem Facebook- und Istagramblog dieser Seite.

 

Eines steht jetzt schon fest: #missionibiza703 geht 2018 weiter!

30.09.2017

Noch genau 22 Tage. Wahnsinn, wo ist die Zeit geblieben? In 22 Tagen habe ich Geburtstag und einen Startplatz beim Ibizatriathlon auf der Mitteldistanz. Vor einem Jahr habe ich mich angemeldet und mich auf die große Reise begeben. Ich hatte keine Ahnung vom Triathlon - ich war bisher im Radsport zu hause. Ich versuchte mit Handicap schwimmen zu lernen und hätte nie gedacht überhaupt so weit zu kommen und jetzt bin ich auf der Zielgeraden.

 

Fast jedes Wochenende stand ich im Sommer am Start irgendwelcher Rennen. Genau 19 an der Zahl! Dabei habe ich Lehrgeld bezahlt, mich selber überrascht und viele Zwischenziele erreicht. Ich war nicht einmal verletzt oder krank. Es war ein Sportjahr, dass nach anfänglichen Laufproblemen ein einziger „Run“ auf die Zielgerade wurde. 10 x gewann ich meine Altersklasse, 3 x wurde ich Zweite AK, 2 x Dritte und ich schaffte es sogar 2 x aufs Gesamtwertungspodium eines Triathlons. Finishte den Triathlon Hannover erstmals unter den top Ten und bescherte mir sogar eine DM Medaille in Bronze, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Meinen Testlauf beim Ironman 70.3 Rügen absolvierte ich wie geplant ohne Schwierigkeiten im erwarteten Zeitfenster. Die Saison hätte nie besser laufen können. Ich bin im Triathlonsport angekommen.

 

Und doch „wackelt“ mein Start 3 Wochen vor dem letzten großen Rennen! Mein Sturz beim letzten Staffelstart in Minden ging zwar glimpflich aus, aber ein Bluterguss direkt auf der Kniescheibe macht Training aktuell unmöglich.

 

4 Tage nach dem Sturz fuhr ich zweimal locker Rad. Leider blutete die Platzwunde dadurch nach innen etwas ein. Den Tag darauf konnte ich kaum gehen. Die Schulter zwickt auch noch etwas, aber das bin ich ja gewohnt. Problem könnte nur sein, dass ich beim Schwimmen Zeit verliere, da gerade die rechte Schulter bei mir die ganze Arbeit leisten muss. 

 

Ultima Ratio war, wie schon einige Male zuvor, ECHTE Pferdesalbe:

Auf dem Bild sieht man die echte und unechte Pferdesalbe. Die Unechte kennen wir Sportler alle, das Compagel für Pferde stammt aus der Tiermedizin und enthält 50 000 Einheiten Heparin und hochdosiert entzündungssenkende Inhaltsstoffe. Den Tipp bekam ich vor einem Jahr von einer Tierärztin als ich Achilles-sehnenentzündung hatte. Ich wohne in DER Reiterstadt Deutschlands, wo Rennpferde ähnlich behandelt werden. Nebenwirkung geringer als bei Ibuprofen und Diclofenac und verboten ist es auch nicht - halt ein Geheimtipp. Ich glaube die humane Pharmaindustrie will so etwas gar nicht auf den Markt bringen. Es würde den Umsatz senken.

 

Ich habe es nur 3 Tage konsequent angewendet und Schmerz und Schwellung um 90% gesenkt:

Allerdings setze ich jetzt bis zur endgültigen Auflösung meines Blutergusses auf der Kniescheibe im Training aus. Nur so habe ich noch eine Chance auf einen problemlosen Start auf Ibiza. 

 

Das ist nicht optimal, dadurch verliere ich Training. Allerdings ist es immer noch besser überhaupt starten und finishen zu können, als das ganze Rennen platzen zu lassen. Am Knie ist sonst nichts kaputt. 3 Wochen sind es noch. Ich gehe davon aus, dass ich ab nächste Woche langsam mit Schwimmen und Aquajogging beginnen kann, so dass ich mich bis zum Start des Rennens wieder fit bekomme. Der Triathlon findet nur dieses Jahr genau an meinem Geburtstag statt. Es geht nicht um eine top Zeit, sondern einfach um ein ganz persönliches Ankommen. Das mein Training dafür reicht, hat Rügen gezeigt. Ich pokere jetzt einfach hoch.

 

Dieses Risiko geht man ein, wenn man sich solche langfristigen hohen Ziele steckt. Man sieht es auch bei den Profis, aktuell Andi Böcherer mit seinem Kona-„Aus“. Lange trainiert for nothing - genau das macht die Härte dieses Sports aus: Hinfallen, Aufstehen & Weitermachen. Für mich ist meine Verletzung gerade im Vergleich zu allem was ich vorher hatte eher ein Witz. Meine Saison 2018 ist bereits geplant mit mehreren Mitteldistanzen - es geht weiter….und die Welt nicht unter.

 

Biketransport:

Neben dem Verletzungspech gab es aber auch noch einige organisatorische Probleme zu lösen, wie den Biketransport nach Ibiza. 

 

Der Sommerflugplan ist Geschichte, der Winterflugplan völlig eingeschränkt. Unsere Koppelflüge (Direktflüge aus dem Norden gibt es im Winter nicht) haben wir auch nur mit Problemen im Januar buchen können. Drei verschiedene Airlines. Später buchen, hätte nicht mehr funktioniert. Radtransport wird je Flug berechnet und angemeldet. Heißt, wir fliegen hin via Stuttgart mit Germanwings im Koppelflug. Die Räder werden zwar durchbefördert, Transportkosten fallen aber zweimal an: 189 Euro pro Rad. Räder leihen auf Ibiza unmöglich, zudem nicht das eigene angepasste Aerorad! Teurer Spass! Das ist nur der Hinflug!

 

Zurück kann Air Europa mangels großem Flugzeug die Räder nicht nach Mallorca transportieren. Zudem wäre eine Durchbeförderung nicht möglich gewesen. Kompletter Check-out und -in in nur einer Stunde Aufenthalt mit Sperrgepäck unmöglich. Es kamen Überlegungen, wie im schlimmsten Fall Fähre nach Mallorca in der Nacht und dann zum Flughafen. Jetzt konnten wir dank Hilfe von Bekannten auf der Insel eine Spedition für den Rücktransport finden, die unsere Räder ab Hotel zurück nach hause bringt. Mit 40 Euro deutlich günstiger als im Flugzeug, komplette Transportversicherung und Anlieferung zur Haustür. Einziger Nachteil Landtransport. Die Räder sind mehrere Tage unterwegs. Wenn man sie nicht braucht, eine günstige Lösung.

 

Außerdem brauchten wir eine anständige Verpackung für die teuren Carbonräder und entschieden uns für die Bike-Transportbox von B & W - Hartschale:

 

https://www.youtube.com/watch?time_continue=5&v=BHvZ9RWQKB8

 

Hartschalenkoffer bergen weniger die Gefahr von Materialbruch als Softtransport-taschen. Im Flugbetrieb wird brutal mit Gepäck umgegangen. 100 Euro an der Verpackung zu sparen kann 5000 Euro Schaden verursachen. Ich möchte keinen Bruch meiner Carbonlaufräder riskieren. Diese Koffer haben uns als einzige in dieser Preisklasse überzeugt!

 

Damit ist alles Organisatorische abgeschlossen. Nächste Woche habe ich noch einen Termin beim Orthopäden. Ich hoffe, er hat gute Nachrichten. Außer dieser fiese Druck auf der Kniescheibe durch das Ödem, reißt und schmerzt definitiv nichts am Knie und das ist gut. Ein Termin beim Physiotherapeuten besorge ich mir auch noch und dann berichte ich weiter. Noch steht alles bei mir auf START - so schnell gebe ich nicht auf! 

04.08.2017

Seit dem Swim & Run Camp Ibiza ist viel Zeit vergangen…..

Ich habe unglaublich viele Wettkämpfe bestritten, um Tempogefühl und -härte zu entwickeln, ein Gefühl für alle 3 Disziplinen zu bekommen und im Wettkampf sauber schwimmen zu können.

Ein kurzer Abriss zum Schwimmen:

09.16  2. Schlüsselbeinbruch

12.17. Technikseminar IBH Pro Team

01.17. Stundenschwimmen Lüchow (2950m Wechsellage)

02.17. 1. Mal im Training 2 km Freistil *yeah*

05.17. Swim & Run Camp Ibiza (viel Technik und Kraft)

05.17. Hamburger Swim & Run Meisterschaft (1100m Schwimmbad)

06.17. Triathlon Wolfsburg Sprintdistanz (1. Frau - *wow*)

06.17. Triathlon Uelzen Sprint (verschwommen, aber 2. Frau)

07.17. 1. OD Itzehoe (unübersichtlicher Parcours in kleinem Teich)

07.17. X-Terra Germany (Orientierung & Ideallinie auf weiter Strecke)

 

Hinzu kam viel Freiwassertraining, wie hier im Glambecker See in Neustrelitz:

Die Steigerung auf 1,9 km bzw. 2 km für Rügen und Ibiza stellt kein Problem mehr dar. Auch die Orientierung im Wasser läuft optimal. Ich habe mir bewusst unterschiedliche Schwimmparcoure in Wettkämpfen ausgesucht, um jede Art von Start und Orientierung zu testen. Die Orientierung in Itzehoe im Mühlenteich war mit mehreren Runden, diversen unübersichtlichen Bojen und 1 x Landgang extrem. Dennoch war die Schwimmzeit unter 30 Minuten. Die X-Terra deutlich übersichtlicher, aber weiter hinaus aufs offene Wasser und erstmals ohne Neo. Beides funktionierte sehr gut.

 

Die Angst die Schwimmdistanz nicht zu schaffen ist überwunden. Ich schwimme zwar keine top Zeiten, aber ich kann mich trotz Bewegungseinschränkung im linken Arm sehr gut behaupten. Ohne Neo bin ich zwar stärker im Nachteil als die anderen Starter, aber beide 70.3 werden aller Voraussicht nach im Neo geschwommen.

 

Einzig lästig: Ich bekomme bedingt durch die muskuläre Dysbalance der linken Schulter schnell Blockaden im Bereich HWS und BWS, die ich oft nur physio-therapeutisch lösen lassen kann. Trotz allem zeigt sich aber einmal mehr, dass wenn man an seinem "Handicap" arbeitet, man auch Vieles erreichen kann. Andere würden ausgleichenden Kraftsport machen und wären ihre Dysbalance los, ich kann es nicht, weil Nerven defekt sind und ich durch die ACG-Arthrose nur limitiert Kraftübungen machen kann. Jemand der Tri gesund macht, kann es überhaupt nicht einschätzen, wieviel man mit körperlicher Einschränkung investieren muss. Für mich ist gerade DAS die große Herausforderung. Sieht immer alles toll aus aber jeder Kilometer ist mit Schmerzen und doppeltem Trainingsaufwand verbunden. 

 

Radfahren:

Ich muss bei längeren Distanzen aufpassen nicht zu hart zu fahren, sonst wird es mit dem Laufen schwer. Die Dosierung ist noch etwas fraglich….bedarf etwas Erfahrung, die ich gerade sammle.

Laufen:

Stellt aktuell die größte Herausforderung dar, wird aber langsam. Grundsätzlich kann ich laufen und kann es auch lange. Das Problem ist das Tempo! Das muss ich relativ hoch halten können, um mit einer halbwegs anständigen Zeit den 70.3 zu finishen. Die Vorbelastung vom Schwimmen und Radfahren haut ganz schön rein. Hinzu kommt, dass meine Muskulatur 20 Jahre nur Rad gefahren ist. Die Umstellung im Frühjahr sorgte für einige unerwartete Probleme:

 

- Überlastung von Muskel- und Bänderapparat

- ISG Beschwerden

- verkürzter Hüftstrecker

 

Immer wieder musste ich das Training kurzzeitig unterbrechen und kam nie richtig rein. Meinen 1. Halbmarathon im März musste ich canceln.

 

5 km liefen dann im Tempo irgendwann schon ganz gut, 10 km hingegen eher nicht. Ich musste mich langsam vortasten. Lernzielkontrollen fanden beim Verdener Stadtlauf über 4,5 km statt, wo ich erstmals unter Pace 5 lief und beim Bremer Brückenlauf auf der Halbmarathondistanz. Von zunächst spekulierten 2:15h, kam ich doch nach 2:01h ins Ziel.

Bei meinem 1. olympischen Triathlon in Itzehoe lief ich die 10 km in 57 Minuten. Bei der X-Terra lief ich im Gelände mit 300hm und Gehpassagen die 9,6 km in 1:06h, also schon deutlich besser als in Itzehoe. Man könnte fast sagen, dass ich 6 Monate brauchte, um die Muskulatur so umzubauen, dass progressives Lauftraining erst richtig möglich wurde. In jedem Fall liegt hier mein größtes Potential begraben und wenn ich das im nächsten Jahr in den Griff bekomme, werden meine Zeiten noch einmal deutlich besser.

 

Was die Auswahl an Wettkämpfen in diesem Jahr angeht, mache ich viel. Mancher meint zu viel. Ich sehe das anders, weil ich zuvor jahrelang Mountainbikemarathons und 24h- Rennen fuhr. Dagegen sind 2:30h bei einer olympischen Distanz eigentlich nichts. Zudem bauen die Wettkämpfe in Training und Belastung aufeinander auf. Einiges probiere ich dieses Jahr zum 1. Mal (X-Terra), einfach um zu schauen, wo ich mich in den nächsten Jahren schwerpunktmäßig wiederfinden werde.

 

Folgende Rookieprobleme kann man mit so einer Wettkampfplanung perfekt lösen:

1. Temporegulierung & Belastung im Rennen 

2. Optimierung der Lauftechnik

3. "Waschmaschine" - Orientierung & Wasserschattenschwimmen

4. Perfekter Wechsel

5. Wettkampfernährung 

6. Richtig Essen & Trinken (Laufen mit Wasserbauch ist nicht gut!)

7. Materialoptimierung & -test

8. Kopfproblem (nicht denken - einfach machen!)

 

Bei mir geht es jetzt noch bis Rügen mit der X-Terra DM in Zittau und einigen Besi & Friends Staffeln weiter. Nach Rügen fahre ich das Pensum bis zum Ibizatriathlon etwas herunter und denke, dass ich dann optimal vorbereitet bin, ganz nach dem Motto:

 

"Das habe ich noch nie gemacht, deshalb weiß ich, dass ich es schaffen werde!“

 

Pipi Langstrumpf

 

Nur noch 36 Tage bis zu meiner ersten Mitteldistanz!

Swim & Run Camp Ibiza

16.05.-23.05.17 

Nun ja, es lief bisher nicht immer alles wie geplant, aber trotzdem konnte ich immer meinen Zeitplan in der Trainingsorganisation pünktlich einhalten. So auch jetzt wieder: 6 Wochen kein echtes Lauftraining wegen ISG Problemen, pünktlich zum Swim & Run Camp Ibiza alles wieder im Griff und so hat mich die Laufwoche wieder deutlich weiter gebracht.

 

Kein Sporthotel, völlig individuell, wichtig dabei nur Vorsaison buchen und Poolgröße und -frequentierung kennen. Kannten wir in diesem Fall, weil wir letztes Jahr schon dort waren. 5 Sterne Trainingslager hat auch nicht jeder und der Vorteil im Gegensatz zu organisierten Camps: kein Zeitplan! Total freie Gestaltung, so dass Erholung und Urlaub trotz Trainingsbelastung nicht zu kurz kommen. Schwimmtraining entweder im Pool oder 5 Minuten um die Ecke im Mittelmeer. Lauftraining direkt vor der Haustür entweder flach am Meer oder mit Höhenmetern über den Kirchberg. Perfekte Logistik! Zudem auch Training am Ort des späteren Wettkampfs.

2x täglich Laufen, davon ein Lauf vor dem Frühstück und eine lange Schwimmeinheit. Ich wusste nicht, ob meine Schulter das jeden Tag mitmachen würde, denn bisher bin ich stets nur einmal die Woche 3 km geschwommen und hatte danach schon Probleme. Bezüglich des Lauftrainings hatte ich keine Ahnung, ob das ISG Problem jetzt wirklich auskuriert war. Das Schwimmtraining sollte zudem im Neo intensiviert werden.

 

Das Laufen vor dem Frühstück war einfach nur schön. So früh am Morgen direkt am Meer zu laufen und anschließend in Ruhe mit gutem Gewissen ein 5 Sterne Frühstück zu genießen, hat man nicht alle Tage. Ganz besonders Lecker waren die frischen Lachstörtchen …..hmmmm. Aber der Spass sollte uns die Tage noch vergehen….wenn Du morgens aufwachst, noch nicht fertig geschlafen hast, in den Spiegel schaust und zu Dir sagst:“Dich kenne ich nicht, aber waschen tu ich Dich trotzdem“, dann ist das Trainingslager richtig gut! :-)

 

Unser Schwimmtraining gestaltete sich ohne jedes Problem! Der Pool war ständig frei und mit 33m auch lang genug für echtes Training. Das Blöde war nur, dass ich auf 25m tippte und dann auch noch versehentlich statt 50m, 100m Paddles Kraftausdauer schwamm….real waren das ja sogar 133m ….*aua* !!! Jetzt kommt hinzu, dass ich sonst höchsten 500m im Training so geschwommen bin und jetzt satte 3 km! Schön laaaange Arme waren die Folge und wir fingen an, den Pool mit einem Lineal zu vermessen. Die anderen Gäste guckten ziemlich blöd und fragten sich wohl, was diese beiden Langstreckenschwimmer jetzt vor hatten. Reichte ja schon, dass wir dauernd mit Neoprenanzügen am Pool auftauchten oder damit aus dem Hotel gingen. Jedenfalls passte anschließend unser Schwimmpensum im Training wieder.

Ich bin zum ersten Mal seit Jahren wieder im Meer geschwommen. Macht mir grundlegend keine Angst. Erstens war ich früher aktiv im DLRG als Rettungsschwimmerin unterwegs und habe viel in der Ostsee trainiert. Ich bin quasi an der Ostsee groß geworden und wenn ich eins kann, ist es schwimmen. Viele Triathlon-Rookies haben hier schon ihr erstes Problem: das Kopfproblem! Angst im Open Water, weil Ufer zu weit weg oder „Tiere“ im Wasser. Beides juckt mich nicht, ich fand das Mittelmeerkino Unterwasser beim Schwimmen eher spannend. Da schwimmen ganze Fischschwärme mit einem mit oder schauen einem zu. Außerdem kann man im Neoprenanzug eigentlich überhaupt nicht untergehen! Wer den „toten Mann“ kennt, weiß, dass man so auch schon ohne Neo oben schwimmt, mit der „Luftmatratze“ passiert da im Notfall überhaupt nichts.

Ich hab meinen Neo ursprünglich gehasst, weil ich nicht durchgehend Kraulschwimmen konnte. Kann ich jetzt aber und siehe da, alles war plötzlich viel einfacher! Leute stresst Euch beim Schwimmtraining nicht zu viel mit Technik, trainiert lieber Ausdauer. Das habe ich bis hier hin getan und wurde jetzt richtig belohnt. Ich habe daheim nie eine Beckenwende im Pool gemacht. Warum? Weil ich mich um effektive Schwimmmeter nicht bescheißen wollte. Da draußen im Meer gibt es keine Wand zum Abstoßen alle 25 oder 50 Meter, da heisst es durchschwimmen! Außerdem ist eine perfekte Kopfhaltung völlig Asche. Die taugt nur im Pool bei Wettkämpfen etwas, wo man auf dem Grund eine schwarze Linie zur Orientierung findet, aber nicht im Open Water! Da muss man alle paar Züge nach vorn schauen, da haut einem eine Welle um die Ohren und die „Waschmaschine“ später im Rennen tut ihr Übriges. Wichtiger ist eine regelmäßige Atmung unter solchen Bedingungen hinzukriegen. Meine Ausbildung beim DLRG hat mir bei der Fokussierung auf mein Ziel und Problem sehr geholfen Wichtiges von Unwichtigem zu trennen!

 

Wichtig war vorn die Armarbeit und die konnte ich recht gut optimieren. Zwar bewegt sich der linke Arm nicht schulmäßig, weil das Schultergelenk durch Schaden blockiert ist, aber Dank „Finis Swimpaddles“ konnte ich das in den letzten Wochen so optimieren, dass nur wenig Abweichung vorhanden ist. Der Neo One von Sailfish ist ein echtes Auftriebswunder. Deshalb hatte ich ihn immer gehasst, jetzt unterstützt er meine Wasserlage optimal bei der leichten Schlagseite links, wodurch mein Schwimmdefizit deutlich korrigiert wird. Durch die hohe Armfreiheit behindert er mich trotz Armschwäche links nicht beim Schwimmen, was äußerst wichtig ist und die Beine haben so starken Auftrieb, dass die Beinarbeit schon fast zur Nebensache wird. Im Gegensatz zu allem, was ich bisher trainiert hatte, fand ich Neo-Schwimmen jetzt einfach.

Ich schwamm insgesamt 15 km in einer Woche, was ich selbst nicht erwartet hatte, denn bisher waren es höchstens 3 km pro Woche. Das ISG machte mit anständigem Athletiktraining überhaupt keine Probleme mehr und so konnte ich den Ausfall vom Lauftraining zuvor komplett kompensieren. Angst vor langen Open Water Schwimmeinheiten hab ich jetzt überhaupt nicht mehr. Im Gegenteil, ich freue mich auf den Ibizatriathlon im Oktober.

 

Ab jetzt fängt die Wettkampfsaison bei mir an. Anfang Juni geht es los mit einem Weltrekord eines Freundes im Handbike, den Ihr gern in meinem Blog verfolgen könnt und eine Woche später wird der Fluch vom Heavy24 Chemnitz gebrochen, wo ich 2013 den ersten Schlüsselbeinbruch erlitt. 4 Jahre ist das jetzt schon her...

 

Und hier noch ein paar tolle Bilder einer wirklich schönen Trainingswoche: