Bike & Swim

160m more in Lüchow

19.01.2019 

Ich war wie jedes Jahr in Lüchow zum Stundenschwimmen der IGAS Wendland, das bereits zum 27. Mal ausgetragen wurde. Zwar war ich exakt eine Woche zuvor beim 24h Schwimmen  in Lüneburg und hatte eigentlich ein gutes Gefühl, aber am Ende übertraf ich mich unerwartet selbst.

Ich war auf Bahn 2 mit zwei wirklich starken Schwimmern eingeteilt. Mitstreiter Schernikau schwimmt in 8 Stunden 16 km und hatte im Jahr zuvor schon deutlich mehr als 3300m geschafft. Und auch an Sylvia Behn war ich noch nie vorbei-geschwommen. Deshalb habe ich auch gleich am Start gesagt: “Schwimmt mal los, ich hinterher. Mir ging es eigentlich nur um Training und einen ersten Test zu Jahresbeginn. 3025m war ich 2018 geschwommen, 2017 noch mit 50 % Brustschwimmen immerhin 2995m. Mühsam nährt sich das Eichhörnchen und so hoffte ich dieses Jahr auch wenigstens 30m mehr zu schaffen.

 

Meine beiden Mitstreiter legten dann auch gleich richtig los. 400m habe ich versucht dranzubleiben, dann entschied ich mich lieber für meinen eigenen Rhythmus, fand ihn schnell und schwamm wie in Trance meine Bahnen. Sylvia überholte mich gleich zwei Mal. Ich verlor total das Zeitgefühl. Es war wie in Lüneburg. Eine Bahn nach der anderen bis mir die Badekappe fast vom Kopf rutschte, dadurch verlor ich etwas Zeit und blickte kurz auf den Garmin: Wow, schon 39 Minuten - nur noch 21 Rest! Ich entschied etwas anzuziehen und wenig später  überholte ich Sylvia das erste Mal. Sie war wohl etwas zu schnell losgeschwommen, hatte ihr Pulver im Wasserschatten von Schernikau verschossen, war abgerissen und fiel zurück. Wenig später schwamm ich ein weiteres Mal an ihr vorbei und konnte es selbst kaum glauben.

 

Bei Abpfiff lag ich 10m vor ihr und habe nicht schlecht gestaunt: 3185m macht 160m mehr zum letzten Jahr. Wahnsinn! Wenn ich die verlorene Badekappe und den vorzeitigen kurzen Stopp 5 Minuten vor Ende noch berücksichtige, wären nochmal 25m drin gewesen. Absoluter persönlicher Schwimmrekord! 1. Platz AK sowie 4. Platz gesamt. Zum 3. Platz der Gesamtwertung fehlten nur 30m!

Im letzten Jahr war ich total happy endlich mal die 3 K geknackt zu haben. 30 popelige Meter Unterschied waren es damals zum Vorjahr und mit mehr hatte ich auch jetzt nicht gerechnet. Spiegelt die Schwimmleistung in Lüneburg aber wieder und beweist, dass ich die 3,8 K Ironmandistanz tatsächlich in 1:11h schwimmen kann. Mit einem neuen Neo und Wasserschatten ist da noch etwas mehr drin. Heißt, ich kann trotz Handicap im linken Arm im vorderen Drittel eines Ironman mitschwimmen. Wer hätte das je gedacht?

 

Schwimmen ist nach wie vor die Disziplin, in der sich meine Schulterverletzung am meisten auswirkt. In der Gleitphase kann ich den Arm nicht gerade vorhalten, so dass er jede Gleitphase ausbremst. Auch kann ich links nicht kraftvoll ziehen. Meist kippt meine linke Schulter zusätzlich nach unten ab. Mit einem Neo mit viel Auftrieb kann ich das gut stabilisieren, ohne kann ich das Problem nicht ausgleichen. Durch die Fehlbewegung des linken Arms, kann ich auch links technisch nicht korrekt ziehen und Wasser verdrängen. Vieles gleiche ich mit dem rechten Arm aus, der aber auch überlastet. Hat etwas von „einarmigem Schwimmen“. Delfin oder Rückenschwimmen ist unmöglich. Delfin überlastet das Schultergelenk komplett und führt zu brutalen Schmerzen. Rückenschwimmen ist unmöglich, da der Arm nicht mehr nach hinten rotiert. Dadurch ist mein Schwimmtraining erheblich eingeschränkt. Technikübungen nur sehr begrenzt möglich.

 

Ich habe im letzten halben Jahr einfach ersucht, mehr Stabilität und Kraft aufzubauen. Zum einen bin ich einfach viel Umfang geschwommen, zum anderen habe ich viel Athletik gemacht. Auch hier kann ich nicht mit großen Gewichten arbeiten. Max. 3 kg kann mein linker Arm noch bewegen. Über Kopf kann nicht trainiert werden und auch kann keine Übung im Armstütz durchgeführt werden. Ich kann mich auf meinen linken Arm nicht stützen. Auch aus dem Schwimmbecken muss ich mich über den rechten Arm drücken. Damit entfallen viele bekannte Übungen und einiges musste ich selbst erfinden, um bestimmte Muskeln aufzubauen. Funktioniert hat das offensichtlich sehr gut. Es war aber auch nicht einfach.

 

Da mein Neo jetzt 8 Jahre alt ist und sich auflöst, wird ein neuer ganz sicher auch noch für etwas Beschleunigung sorgen. 5 Jahre harte Arbeit zahlt sich endlich aus. Finde Wege keine Ausreden!

 

Mein Dank geht an die IGAS Wendland für diese tolle Traditions-veranstaltung. Ihr lebt den Ausdauersport in einer großartigen Gemeinschaft.

24h Schwimmen Lüneburg

14.01.19

In Lüneburg fand zum 12. Mal das 24h-Schwimmen zu Gunsten der Initiative „Der gute Nachbar statt“.

 

2018 zählte die Veranstaltung 500 Teilnehmer, geschwommen wurden insgesamt 1412 km und die Spendensumme belief sich auf 4550 Euro. Das Charity Schwimmen zu Gunsten der Initiative „Der gute Nachbar“, eine Aktion der Landes-zeitung Lüneburg und der örtlichen Wohlfahrtsverbände (DRK, DIAKO, AWO u.a.), ist für jeden Teilnehmer kostenlos. Pro Teilnehmer geht automatisch 1 Euro in den Spendentopf, pro 100 geschwommene Meter 10 Cent. Die Summe geht an unverschuldet in Not geratene Bürger mit geringem Einkommen.

 

Man kann in den 24 Stunden so viel und so oft schwimmen, wie man möchte. Für Kaffee und Verpflegung ist gesorgt. Vom Kind bis zum Leistungsschwimmer ist alles am Start und verteilt sich auf speziell ausgewiesene Bahnen. Man könnte jetzt meinen, dass Schwimmen unter solchen Bedingungen kaum funktioniert, aber das tut es erstaunlich gut. Meist sind max. 8 Schwimmer etwa gleicher Leistung auf einer Bahn und Überholvorgänge sind weniger problematisch als im regulären Schwimmbadbetrieb. Wer merkt, ihm greift ständig jemand in die Füße, hält einfach kurz am Beckenende und lässt den anderen vor. Ist schließlich kein Wettkampf. Es geht nur darum gemeinsam möglichst viel zu schwimmen. Kein Konkurrenzgehabe, sondern ein nettes Miteinander. So kann Schwimmen richtig  Spaß machen.

Deshalb waren Maren und ich auch wieder dabei. Keine 24 Stunden, aber satte 10,6 K lang. Mit Maren war ich im letzten Jahr schon 3,2 K quer durchs Meer in Bad Zwischenahn geschwommen. Für uns beide war das der persönliche Schwimm-rekord in Bezug auf Ausdauer, aber komplett Freistil war aufgrund der heftigen Wetterbedingungen nicht möglich. Seit 5 Jahren stellte ich mir die Frage, ob ich es jemals schaffen würde trotz Handicap im linken Arm einen vollen Ironman über 3,8 K schwimmen zu können.

 

Wir legten in Lüneburg zunächst ohne dieses konkrete Ziel los. Maren vorweg, ich im D-Zug hinterher. Das passte so perfekt, dass wir ratz-fatz 2 km weg hatten und irgendwie im „Schwimmwahn“ waren. Eine Bahn nach der anderen ballerten wir durch und ich hatte nicht einmal das Gefühl  von Schmerzen im Schultergelenk oder Schwäche im linken Arm. Andere Schwimmer verließen bereits die Bahn wegen uns und stellten sich die Frage, ob wir jemals aufhören würden.

 

Nur noch 800m dachte ich bei km 3. Ist jetzt auch egal. Maren zog weiter vor und guckte überhaupt nicht auf den Tacho. Meine Brille beschlug, ich musste kurz zum Reinigen stoppen. Im Anschluss fehlte erstmal Marens Wasserschatten. 3,4 K – die Kraft im linken Arm ließ nach, erste leichte Schulterschmerzen, aber ich biss mich durch. Dann der ungläubige Blick auf den Garmin:

WOW, 1:11 h für 3,8 K – We are Ironwomen !!!

Allein wäre ich das so nie geschwommen. Zusammen motivierst Du Dich dazu aber ganz anders. Die Bedingungen waren schon mit einem echten Ironman zu vergleichen. Ohne Neo, mit Wasserschatten und Waschmaschine aufgrund der anderen Teilnehmer. Optimale Bedingungen für so einen Test. Allerdings hätte ich mir 2013 nie träumen lassen, das jemals zu schwimmen. 5 Jahre harte Arbeit später hat es doch funktioniert.

 

Damit habe ich gleich zu Jahresbeginn einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt und das in dieser sensationellen Zeit: beim Ironman Hamburg 2017 wäre das die 7. Schwimmzeit meiner AK gewesen – also top Ten. Dafür, dass wir das weder gezielt trainiert haben, noch Anschlag geschwommen sind, der absolute Wahnsinn so früh im Jahr.

 

Im Anschluss legten wir nochmal 1,6 K unter 30 Minuten nach und auch hier gab es keinen Leistungseinbruch oder arge Probleme mit meinem Schulterschaden. Sensationell, wenn ich bedenke, dass ich mich mit dem linken Arm, aufgrund der eingeschränkten Armrotation in jeder Gleitphase ausbremse.

 

Mein Trainingsansatz von zielgerichteter Athletik und kraft- orientierter Ausdauer scheint das Problem so zu kompensieren, dass ich tatsächlich im vorderen Feld eines Ironmanrennens mitschwimmen könnte. Allerdings hatten wir beide im Anschluss definitiv keinen Bock mehr auf 180 km Rad und 42 km Laufen. Zudem ist es aktuell auch fraglich, ob mein Handicap diese beiden Belastungen zusätzlich trägt. Für den Kopf ist es aber einfach nur gut zu wissen, dass ich es schwimmen kann und für mein Ziel Mitteldistanz umso wertvoller zu wissen, dass ich immer stabiler werde.

 

Maren ist vor lauter Schwimmwahn sogar der Sailfish Schwimmanzug geplatzt und ob wir zu viel Poolwasser geschluckt hatten, ist die nächste Frage, aber in jedem Fall waren wir Ironwomen im Anschluss mächtig stolz. Danke Maren. Mit Dir schwimm ich überall hin. Wir sind ein super Team und ohne Dich hätte ich das vielleicht nie geschafft. Bis zum nächsten Chlorhuhntreffen oder vielleicht 100x100 - 2020?

Quer durchs Meer 2018

11.08.2018 

Schwimmen ist für mich nach meinem Unfalltrauma immer noch die größte Heraus-forderung. Keine 500m sollte ich noch können, eine 70.3 Distanz habe ich bereits geschafft, 2,5 km dann im Juni bei der Blue Challenge und immer wieder stellte sich die Frage, wie weit kann ich meine Grenze weiter verschieben? Unter Labor-bedingungen (Schwimmbad) sowie auch im „Open Water“.

 

Ich hatte von der großen „Meerdurchquerung“ in Bad Zwischenahn gehört. Einmal quer durchs Bad Zwischenahner Meer, dem 3. größten Binnensee Niedersachsens. Distanz: 3,2 km. Bei der Anmeldung muss man schnell sein. 400 Startplätze sind in ein paar Stunden vergeben. Maren stand zunächst nur auf der Nachrückerliste, rutschte aber zum Glück noch rein und so stachen wir am Samstagmorgen zu zweit in See:

Vor dem Start traf ich außerdem auch auf Gerard….“Ironman“, wie ich ihn seit dem IM 70.3 Rügen nenne und der meine schrägen Blogbeiträge immer so gerne liest. Hat sich für die 70.3 WM in Afrika qualifiziert. Geerarrd, ich wünsch Dir viel Erfolg beim Löwen jagen - Du schaffst das ;-):

Ob das Schwimmen, das übrigens kein Wettkampf ist, überhaupt stattfindet, war in diesem Jahr wegen Wetter und Algenblüte bis zum letzten Tag ungewiss. Hier mal ein Blick auf die grüne Soße und die Klamotten unter dem Neo danach:

Um 09:00 Uhr ging es auf das Schiff nach Dreibergen. Fahrzeit knapp 30 Minuten. Mitten auf dem See hatte ich dann das erste Mal die Hose voll: Windstärke 5-6 mit mächtig Seegang. Wie mächtig das sollten wir später noch live erleben… irgendwie hatten wir alle kein gutes Gefühl mehr und meine letzten Worte: „Wir werden alle sterben“, als ich das Schiff in Dreibergen verließ, stießen auf ein Raunen in der erfürchtigen Menge. Die Klamotten noch kurz abgegeben, ging es auch schon ins Wasser und ich war echt froh den Neo zu tragen, denn die angekündigte Wassertemperatur von 25 C lag jetzt nur noch bei 22 und mitten auf dem Meer später noch tiefer. Respekt vor allen Badehosenschwimmern. Maren gab später sogar an im Neo gefroren zu haben. Der Grund des Sees in Dreibergen war genauso morastig und glibbrig wie das Wasser, weshalb ich gleich zu schwimmen anfing…..wäääh…echt fies.

 

Es folgte der Startschuß…..bääm zu weit vorne einsortiert, wurden Maren und ich gleich überschwommen. Keine 300m und Maren hatte sogar Panik. Ich blieb einen kurzen Moment bei ihr bis es wieder ging, da ich meine „New Wave Rettungsboje“ dabei hatte. Bin halt ein Schisser, man weiß ja nie ;-)…

Gesehen hat man nichts. Das Wasser war so brackig, dass man die eigene Hand vor Augen nicht sah, geschweige denn den Schwimmer vor einem. Einfach finster. Nach knapp 800m dann starke Wellen von rechts. Ich atme nur nach rechts, weil ich den linken Arm nicht hoch genug bekomme (Schulterschaden links). Die Wellen kamen jetzt so unregelmäßig, irrational, dass ich bei jedem zweiten Atemzug einen kräftigen Schluck Wasser nahm und völlig aus dem Schwimmrhythmus kam. Gleichzeitig gestaltete sich die Orientierung immer schwieriger. Man trudelte unkontrolliert in hohen Wellen, konnte oft nichts mehr sehen und kam völlig vom Kurs ab.

 

Maren hatte gesagt: “Zum hohen Baukran schwimmen“, ich glaube wenn der nicht gestanden hätte, wäre ich im Ziel nie angekommen. Teilweise kamen plötzlich orientierungslose Schwimmer von links oder rechts, die in mich hineinschwammen und dann selber merkten, dass es die völlig falsche Richtung war. Ich eierte wie eine Zick-Zack-Boje auf den immer höher werdenden Wellen, zugleich zog mich eine Art Strömung stets gefühlt nach rechts? Mehr als 2 Zyklen Kraulzug waren ohne Orientierungsstopp nicht möglich. Hier mal ein Eindruck von der stürmischen See:

Mein linker Arm überlastete vom Kraulen, da ich mich so extrem hoch zum Atmen aus dem Wasser drücken musste. Zur Mitte des Sees nahm der Wellengang noch-mals zu, andere Teilnehmer waren jetzt extrem weit weg, ich war quasi allein in dieser unendlichen Weite. Einzig mein Neo und die Schwimmboje gaben mir noch Sicherheit nicht zu ertrinken, denn auch die DLRG Boote waren weit weg. Einen kurzen Moment dachte ich: “Genau so musst du dich fühlen, wenn du im Ozean mit deinem Boot untergegangen bist und jetzt irgendwie an Land schwimmen musst, weil du sonst ersäufst. Kraulschwimmen ging hier irgendwie überhaupt nicht mehr. Man verlor eher die Orientierung und das kostete nur zusätzliche Körner. Ich begann Brust zu schwimmen. Die beste Möglichkeit auf Kurs zu bleiben und die Wellen zu queren. Von den anderen Teilnehmern schwammen auch nur noch wenige Freistil. Einen kurzen Moment hatte ich sogar das Gefühl seekrank zu werden. Erst auf dem letzten Kilometer beruhigte sich das Wasser und ich wechselte wieder auf Freistil.

 

Nach 1:17h und einer gefühlten Ewigkeit stieg ich stolz aus dem Wasser. Maren war kurz vor mir im Ziel angekommen, hatte ähnliche Erfahrungen hinter sich. Selbst Gerard hatte 1:10 h gebraucht und war etwas entäuscht, weil er 1h angepeilt hatte. Aber Freiwasser unter solchen Bedingungen ist dann doch etwas völlig anderes. Ich bin in Nord-, Ostsee und im Mittelmeer geschwommen, aber “Quer durchs Meer“ ist definitiv das härteste Schwimmen, das ich bisher bestritten habe. Natürlich waren die Bedingungen an diesem Tag so hart wie noch nie - siehe Pressebericht  HIER KLICKEN !!!

 

Wir waren gerade deshalb stolz wie „OSKAR“:

Kurz nach dem Zieleinlauf kam ein krasses Gewitter mit Starkregen runter. Maren und ich haben den Tag dann mit Kuchenessen verbracht und waren trotz aller Strapazen mächtig stolz das Ding gerockt zu haben, denn es war unser längstes und weitestes Open Water Schwimmen ever.

 

Das Besondere an diesem Schwimmen ist die unendliche Weite. Die Nerven zu behalten, wenn man so weit draußen schwimmt. Im Kopf bringt einen diese Erfahrung einfach enorm weiter. Wenn Du ein Handicap hast wie ich und nicht weißt, ob du damit so weit schwimmen kannst, dann ist es nochmal eine ganz andere Nummer. Ich wollte genau das. Ich habe genau diesen „Thrill“ gesucht. Eine Art „Phobiebekämpfung“ – Mindset: 3,4 km statt 500m ist für mich ein echter Meilenstein im Kopf sowie auch sportlich. Die unerwarteten harten Bedingungen waren dafür sogar ein Geschenk.

 

Nach meinen Garmin Aufzeichnungen bin ich eigentlich gut geschwommen, denn auf einer gemessenen Distanz von 3385m war ich 1:03h in Bewegung. Der restliche Zeitverlust entstand durch Orientieren, Wasserschlucken und wieder –ausspucken.

 

Eine perfekt organisierte Veranstaltung der DLRG Bad Zwischenahn. Der Erlös dieses Jedermannschwimmens geht zu Gunsten eines Kinderhospitzes. Ich war sicher nicht zum letzten Mal dabei, hoffe aber beim nächsten Mal auf bessere Bedingungen. Vielen Dank für dieses einmalige Abenteuer !!!

 

Und hier noch ein paar Bilder:

Miriquidi Stoneman 2018

01.08.2018

Es gibt Freunde, die sind auch dann für einen da, wenn man ganz am Boden liegt. Dazu gehören Stefan und Christian. Als ich 2013 beim „Heavy24“ schwer stürzte, waren sie da. Stefan ganz besonders. Inzwischen bin ich vom Mountainbikesport zum Triathlon gewechselt. Trotzdem blieb unsere Freundschaft über all die Jahre erhalten. Jeder von uns machte seine privaten wie auch beruflichen Höhen und Tiefen durch und trotzdem blieben wir in Kontakt.

 

Seit 3 Jahren sprachen wir vom Stoneman im Erzgebirge, aber immer kam uns etwas dazwischen. Jetzt endlich trafen wir uns bei Christian daheim, der alles organisiert hatte. Gold Trophy heißt 162 km MTB über 9 Berge mit 4400 hm im Gelände und das alles an einem Tag. 

Ich hatte echten Respekt. Mountainbike trainiere ich überhaupt nicht mehr und das Radtraining für Mitteldistanztriathlon sieht auch völlig anders aus. Weniger Grundlage, weniger Watt und das sollte ich auch noch richtig zu spüren bekommen. Mein Fazit: Ein MTB Marathon ist um Längen härter als ein Ironman!

 

Im April war Mario, Malario, „Muschi“ Peters gestorben. Als ich im Jahr 1995 mein erstes MTB kaufte, waren wir Mountainbiker noch die Exoten, trugen neon-farbene Bikeklamotten und schraubten an unsere Stahlrösser erste Hydraulikbremsen (Johnny T. Magura) und Federgabeln (Marzocchi). Wir waren eine Art Bike-revolution - immer von den disziplinierten Rennradspießern als Spinner belächelt. Es gab nur 26 Zoll Räder und Rennen gewann einfach der bessere Fahrer. Eine schöne Zeit, die Mario irgendwie in seiner Muschi am Mittwoch am Leben hielt. Die Farbe pink machte er wieder salonfähig. Sein Credo „think pink“ überlebte jede Spießigkeit und er scheute sich auch nicht eine andere Meinung zu vertreten. Es lag also nahe „Muschi“ unseren Stoneman zu widmen. Hier zu seinem Nachruf KLICKEN !

 

Das Blöde war nur, dass wir die Hitzewelle nicht geplant hatten. Als ich nach 7h Autofahrt bei „Laube“ aus dem Auto stieg, dachte ich, ich stehe bei 37 C im Back-ofen. Da half nur „Kiezmische“ als wir am Abend das Starterpaket buchten:

Wir haben im Hotel „Wilder Mann“ in Annaberg gebucht. Beim Stoneman muss man online auf der Hauptseite das Starterpaket buchen. Wir buchten das Grundpaket, weil wir zuvor noch nicht gestartet waren. Dazu muss man sich den passenden Logispartner auf der Seite heraussuchen. Entscheidend ist, wo will ich starten und wie lange werde ich brauchen. Um bei der Gold Trophy (1 Tag) nicht in Zeitnot zu geraten, macht es Sinn einen Logispartner auszuwählen, der 24 h geöffnet hat, schließlich will man am Ende ja auch seinen Stein haben.

 

Starten wollten wir um 05:00 Uhr auf dem Pöhlberg, weil „Laube“ meinte, wir hätten dann bis 10:00 Uhr das härteste Stück hinter uns und am längsten Tageslicht. Im Dunkeln darf man den Stoneman eigentlich nicht mehr fahren…Wild- und Forstruhe. Deshalb mussten wir auch schon um 4:00 Uhr los. Startunterlagen im „Wilden Mann“ abholen: „Bei der Hitze haben alle anderen Buchungen heute abgesagt, Respekt“…. joah, wir hatten schon ganz schön einen am Helm, aber wenn man das so lange vorplant, Urlaub nimmt und anreist, muss man das auch durchziehen!

 

Vorteil war wirklich unser früher Start, weil die Luft noch angenehm war und der Sonnenaufgang im Erzgebirge einfach wunderschön. 

Gegen 09:00 Uhr kamen wir in Rittersgrün an. 3 l Camelbak leer. Erster Boxenstopp bei Familie Bleil, die extra für den Stoneman ihren Garten zur Verfügung stellt:

Kühlschrank mit Getränken, Schokolade, Sonnenschirm mit Stühlen und Telefon, um mal bei Mutti anzurufen. Es fehlte nichts. Am Holzstapel konnte man sich mit einem Gruß verewigen. „You saved my life“ stand auf einem und wir hatten auch gerade ein echt zähes Stück hinter uns. Leichter würde es nicht werden.

 

Ganz besonders geil war aber das Stempeln oder Lochen der Karte:

9 Löcher mussten es ja am Ende sein. Die Belohnung für die ganze Schinderei!

Auf dem Rabenberg wollten wir frühstücken. Nicht zu empfehlen: unfreundlich und außer zur festen Kantinenzeit gibt es da nichts wirklich Dolles….außer ein Würstchen…

 

Es folgte der „*Aua*sberg“ – Auerberg. Stefan hatte wieder einen Motor im Arsch sowie das Navi. Zack war er weg und Laube und ich verpassten die Aus-schilderung. Als wir es feststellten, mussten wir den eigentlichen Rückweg hoch-fahren. Sparte zwar eine Menge Anlauf, dafür war die Steigung aber richtig *aua*, wie Auersberg halt. Oben angekommen waren wir so platt, dass es erstmal Wassereis und Kartoffelsuppe gab. Einen tubeless Platten hatten wir auch noch zu beheben.

 

Und Stefan kannte keine Gnade….die Tschechei rief…die Berge hatten alle unausprechbare Namen. Ich erinnere mich nur an den Plesnic auf dem wir uns für 8 Euro einen super Teller Nudeln und Gnocci mit einem großen Radler bestellten. Sehr zu empfehlen – alles frisch zubereitet.

 

Dem Stoneman hatte man kürzlich auf tschechischer Seite etwas mehr Trailanteil verpasst, allerdings rumpeliger als auf deutscher Seite. Die Trailabfahrt an der Seilbahn vom Plesnic war mit Hardtail absolut unfahrbar. Runtertragen der Hass. Ich hatte danach schon schwer mit meiner Schulter zu kämpfen, die langsam anschwoll, so dass der linke Arm immer tauber wurde. Letzteres ließ mich später auch andere Trails nur noch schieben. Ich weiß, warum ich mit dem MTB-Marathon aufgehört habe!

 

Kleiner Hinweis noch: der Keilberganstieg ist die Hölle. Den hat selbst Stefan verflucht. Vorher lieber Körner sparen!

 

Platt waren wir jetzt alle. Mehr als 10 Liter hatte allein ich getrunken und ange-kommen sind wir in der Dunkelheit. Stefan verfranste sich auch noch mit Navi…..Obacht, der Track startet und endet in Oberwiesenthal. Startet Ihr woanders, wird die Route dort automatisch beendet, also genau schauen und nicht durchballern! Um 01:00 Uhr standen wir völlig fertig vor dem Portier vom „Wilden Mann“: „Ich hatte mir schon Sorgen gemacht.“ Gestunken und ausgesehen haben wir wie Säue. Stefan fragte nach einem Kaffee to go und der Portier lud uns spontan auf den besten Kaffee der Welt ein. Danke, das war grossartig! YOU SAVED OUR LIFE!

 

Auf der Rückfahrt nach Limbach-Oberfrohna musste wir noch einmal kurz halten und einen Powernapp einlegen – nichts ging mehr - Schlafanfall!

 

„Es beginnt mit einem Traum und endet in einer tiefgreifenden Erfahrung“, so Roland Stauder/ Mountainbikeprofi über den Stoneman. Die Gold Trophy ist eine echte Grenzerfahrung und extrem hart. Nochmal brauch ich sie nicht und trotzdem war es ein unbeschreiblich toller Tag unter echten Freunden und so steht unser goldener Stein auch für unsere besondere Freundschaft. Danke Stefan und „Laube“ für dieses unvergessliche Erlebnis.

 

Das nächste Mal möchte ich mir mehr Zeit für die Landschaft nehmen und werde wohl den Road in Silber fahren.