RUNTERRA Social Phoenix Award

Kreiszeitung Verden über Runterra

 

27.09.2014 Zirndorf

RUNTERRA der Lauf mit den meisten Hindernissen in Deutschland nominierte mich für den RUNTERRA Social Phoenix Award. Zweimal hab ich in meinem Leben bis zum Hals im Schlamm gesteckt, etliche Hindernisse bewältigen müssen, um wieder auf mein Rad zu steigen und Rennen fahren zu können. Für das Motto "Never give up" wurden Kämpfer nominiert, die sich im RUNTERRA Social Phoenix Award Team trotz Handicap durch Schlammlöcher wühlten, über Hindernisse kletterten, durch verschlammte Rohre krochen, Flüsse durchquerten und Sandsäcke durch den Wald schleppten. Das Ganze für einen guten Zweck: die Erlanger Kinderklinik sollte für ihre Sporthalle eine Boulderwand bekommen, damit kranke Kinder durch Bewegung Kompetenzen stärken und Selbstvertrauen gewinnen. Die Botschaft des Veranstalters ging aber noch etwas darüber hinaus: Man wollte anderen Beispiel geben, dass es sich lohnt mit Behinderung weiter zu kämpfen und nicht aufzugeben - der Gesellschaft zeigen, dass eine Behinderung nicht unbedingt den Verlust jeglicher Lebensqualität bedeutet und man mit Kraft und Willen trotzdem noch viel "bewegen" kann.

Tolle Idee, selten genug, dass diese Botschaft so getragen wird und absolut passend zu einem Hindernislauf. Eine Runde wie das wahre Leben - mein Motto: die richtige Sportart zum richtigen Zeitpunkt ist besser als jede Physio- oder Ergotherapie - immer wieder an seine persönlichen Grenzen zu gehen auch mit Behinderung stärkt die eigenen Kompetenzen und ermöglicht das Maximum an selbstbestimmter Lebensqualität.

 

LEUTE, GEHT DA RAUS UND KÄMPFT EUCH DURCH DEN DRECK!!!

 

Und genau das taten zwei der 5 nominierten Phoenixe dann auch - einer flog davon blind über 40 !!! Hindernisse - das verdiente wirklich den größten Respekt. Jeffrey Norris kämpfte sich über 7 km durch den Parcours - viele meinen vielleicht: "oh, der arme Kerl, warum tut sich das ein Blinder an…..blabla- bla…" - arm war da gar nichts, das war STARK - mental wie auch physisch und verdiente den allergrößten Respekt. Kurz nach dem Start gab es zwei ca. 2m tiefe Baggerkuhlen mit Wasser und Schlamm. Die Wände steil und rutschig. Ich selber stand davor und dachte nur:" Scheiße, gerade mal selber 1,60m groß, der Boden von dem Schlammloch uneben und mit dem kaputten Schlüsselbeinknochen da so tief hineinspringen?

 

Man stelle sich die Halswirbelsäule mit den Schlüsselbeinen wie eine Waage vor, die sich auspendelt und nun ist ein Arm der Waage viel zu kurz, der andere muss den Aufprall allein ausgleichen. Führt dazu, dass das zu kurze Schlüsselbein noch mehr überstreckt wird als es im Normalzustand schon ist und das fühlt sich dann beim Sprung so an als würde das Ding zerreißen! Die wenigsten Leute wissen überhaupt wie sehr man bei jeder Bewegung mit den Schultern Gleichgewicht auspendelt und dass das Schlüsselbein sich bei fast jeder Bewegung mitbewegt. Und jetzt ist das Ding 2 cm zu kurz und völlig verkorkst am ACG Gelenk angewachsen, dass generell durch die Situation überlastet ist.

 

Was solls - Augen zu und rein ins Loch. Raus aus dem Loch ganz ähnlich. Allein kaum möglich, helfende Hände gab es zur Genüge, aber ich konnte mich ja nur am rechten Arm aus dem Loch ziehen lassen - das gleiche Gefühl. So war es in jedem tiefen Loch oder Container.

 

Aber Jeffrey hatte da ganz andere Herausforderungen zu bewältigen. Wo ich schon schluckte, aber noch etwas sah, musste er blind hineinspringen und herauskriechen - nur mit Hilfe eines Guides, dem er voll vertrauen musste. Ich hätte mich das nicht getraut und kann ihm nur meinen größten Respekt aussprechen. Das war wirklich großartig als Beispiel für andere!

 

Da Jeffrey etwas mehr Zeit benötigte, setzte ich mich mit Benjamin Ulsamer vom Runterra Running Team - die OMA: "One Man Army" - heute verkleidet als Rotkäppchen : D und dem Extremstreckenläufer Robert Wimmer ab. Die restlichen Hindernisse hatte ich mir schwerer vorgestellt. Ich hatte zuvor auf YouTube Videos zu solchen Läufen gesehen und Hindernisse, die ich mit meinem Arm nie bewältigt hätte. Hier sollten es insgesamt 120 Stück werden…ich hatte echt Respekt vor dem Lauf, stellte aber im Verlauf fest, dass die meisten gut zu bewältigen waren. An der Ausdauer sollte es in meinem Fall nicht scheitern. Kraftausdauer und Wechselbelastung bin ich vom Mountainbiken her gewohnt.

 

Am schwersten fiel mir das ebenerdige, flache Kriechen. Mein Vorteil war der, dass ich generell klein bin und mich so mehr auf die rechte Seite drehen konnte, um mehr mit dem rechten Arm zu robben. Den Linken konnte ich dafür kaum benutzen - zu große Schmerzen beim Stützen im ACG Gelenk. Aber Roberts Welt war das auch nicht gerade - der "Hund" ;-) kniff regelmäßig die engsten Stellen! :P

 

Die hohe Betonmauer musste zweimal pro Runde bewältigt werden. Ich kam kaum hinauf. Das Problem war, dass ich nicht mit beiden Armen oben in den Stütz gehen konnte, um mich hochzuziehen. Zum einen Schmerzen im ACG, zum anderen keine Kraft im linken Arm - der Bizepsmuskel arbeitet ja nicht mehr. Also auf die Räuberleiter, mit dem Bauch auf die Mauer legen und dann langsam mit dem rechten Arm in die Sitzposition wechseln. Oben auf der Mauer dann wieder das Problem mit dem viel zu hohen Sprung. Half wieder nur wilde Räuberleiter durch OMA und Robert….komisch, die fiesesten Hindernisse machten am meisten Spass :D…

 

Steile Sandberge hochrennen hingegen kein Problem, runter nutzte ich halt mit dem rechten Arm das Trassierband für den Fall des Abrutschens. Durch die Betonrohre konnte ich wahrscheinlich als einzige durchlaufen - klein zu sein hat auch echte Vorteile *g*….aber auch Nachteile in den Wasser- und Schlammpassagen. Es gab Löcher die stanken undefinierbar faul und waren an einigen Stellen ziemlich tief. Wenn man die erwischte, war man schnell mal "weg". Manchmal dachte man auch: die Stelle da, war letzte Runde flach und plötzlich war es ein Fass ohne Boden. Man lief durch Untergrund von dem man gar nicht wissen wollte, was es war - ich sage nur tote Fische an der Oberfläche!

 

Das Hasshindernis unseres Teams war das Seil an der steilen Waldböschung kurz vor Zieleinlauf….ohne OMA wären Robert und ich da nie rüber - wie die toten Käfer zog uns die OMA über die Kante - über die B-Note sprechen wir hier lieber nicht :P, aber es wurde von Runde zu Runde auch etwas besser.

 

Eigentlich dachte ich, ich schaff nur eine Runde, dann kam die Zweite….die Dritte war auch kein Problem mehr für mich - ich hatte mein Handicap so gut kompensiert, dass es mir kaum einer ansah, dass ich so gut wie ohne linken Arm lief - konditionell war es generell kein Problem - aber Robert ….der Extremstreckenläufer hing immer mehr hinterher?....hä?...am Ende mussten wir auf ihn warten…ihn motivieren und anfeuern….was war looos ?…dritte Runde nur wenn wir auf ihn warten? Die Wechselbelastung mit den vielen Hindernissen war er nicht gewohnt und jetzt hieß es mehr für ihn "Never give up" als für mich - da kann man mal sehen, dass ein Handycap nicht unbedingt heißt, weniger leisten zu können! Tolles Beispiel finde ich und noch toller, er nahm es mit Biss und Humor und stellte sich der 3. Runde. Er hat schon ziemlich gelitten - ein Team hält aber zusammen und so kämpften wir uns 3:45h durch den Schlamm und kamen gemeinsam im Ziel an.

 

Es war fast wie auf der Besi & Friends Tour, wo Gesunde mit Kranken fuhren und sich bis zum Ziel im Team unterstützten und halfen. Einmal mehr zeigte sich, dass auch die Gesunden an ihre Grenzen stoßen können - früher als manch Kranker. Also geht da raus und macht was draus - alles ist möglich, wenn man es nur  wirklich will. Das zeigt Runterra hier einmal mehr und diese Botschaft ist so wichtig. Lasst die Grenzen in Euren Köpfen hinter Euch, vergesst die Limits, geht raus, kämpft und wenn es so nicht funktioniert, dann probiert es anders. Menschen wären nie zum Mond geflogen, wenn sie beim ersten Scheitern gleich in den Sack gehauen hätten - die meisten von uns brauchen gar nicht bis zum Mond fliegen. Es ist viel näher.

 

Danke Jutta Juli Mützer und Frank Mützer von PlanOrange für dieses perfekt organisierte Sportevent mit einer tragendenden Botschaft, die viel öfter die Gesellschaft erreichen sollte: NEVER GIVE UP. Der Phoenix ist aus seiner Asche auferstanden dafür habt Ihr mit Herz und Verstand dieses außergewöhnliche Laufevent ins Leben gerufen. Hier wurde mit Stil und Qualität eine komplette Runterra World kreiert und der soziale Gedanke wirklich hochwertig vertreten. Macht bitte weiter so - die positive Resonanz aller Teilnehmer sagt aber eigentlich auch schon ALLES.

 

Danke an das Runterra Team, dass die Aktion unterstütze, Jeffrey und mir im Parcours half. Ihr lebt den Spirit. Ganz besonderen Dank an Rotkäppchen: Benjamin Ulsamer und Robert Wimmer, die mich supporteten - mir halfen über die Hindernisse zu kommen, aber auch menschlich in Gesprächen absoluten Tiefgang bewiesen und ganz tolle Menschen sind. Mit Euch waren es 3:45h unglaublicher Spass in einem ganz tollen Team !!!

 

Danke an das Team Pirate Dirt Department und Klaus von den Muddy Fox für das unglaublich geile Frühstück und die jaulende Katze. Manni für das Abholen vom Bahnhof und die Orga im Team - wieso hab ich Flachpfeife Dich eigentlich in der zweiten Runde kurz überholt? ....Beweis s. Bildergalerie lila Trikot hinter mir *g* ....Schmidt de Luxe für geile Bilder und Marcel  -  generell den riesen Spaß mit Euch - Ihr seid eine echt geile Truppe.

 

Und DANKE an alle Teilnehmer, die geholfen haben, gut drauf waren, Spass hatten - das Race erst zu dem gemacht haben, was es war: großartig.

 

Danke für den Runterra Social Phoenix Award - Ich hab Eure soziale Idee gerne unterstützt und werde meinen sportlichen Weg weiter gehen. Nichts ist wertvoller als anderen Menschen Mut zu machen.

 

Und ob Ihr es glaubt oder nicht - Dreck und Schlamm kann RICHTIG Spass machen - probiert es aus - der Teamspirit und Spass ist unglaublich!!!

 

Auf nach Runterra 2015 !!!

 

NEVER GIVE UP

 

Video von Jeffrey Norris - Runterra

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